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Über der Stadt

am So Okt 01, 2017 7:55 pm
Im Gegensatz zu den Straßen ist es über der Stadt verhältnismäßig ruhig, da keine Flieger oder sonstige Fahrzeuge dort unterwegs sind. Gelegentlich einige Genos mit Flügeln treiben sich dort rum, um schneller von A nach B zu kommen. Von oben wirkt die Stadt ruhiger, da der Lärm von unten nur gedämpft oben ankommt. Man hat eine weite Aussicht über die Stadt, schafft es aber wegen ihrer enormen Größe nie, bis an den Stadtrand zu sehen, wenn man sich mitten im Zentrum befindet. Die meisten Häuser, die man von oben sehen kann sind alte Hochhäuser. Einfamilienhäuser können sich nur die Reichsten leisten und sind dementsprechend selten vertreten. Auch wenn über der Stadt vieles kleiner erscheint, hat man als Geno mit der richtigen Mutation von dort oft eine viel bessere Übersicht, als wenn man sich mitten im Stadttrubel befindet.
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Re: Über der Stadt

am So Okt 01, 2017 7:56 pm
„Wie Gegenstände haben sie uns behandelt, selbst Tiere hatten ein höheres Ansehen als wir.“ Die Stimme von Frau Min, etwa Mitte 50, hallt immer noch in Raveas Ohren, als würde sie direkt neben ihr stehen, dabei ist sie nun schon mindestens zehn Häuserblocks und einige Höhenmeter von ihr entfernt. „Als Sklaven hatten mein Mann und ich es nicht leicht. Manchmal dachte ich, es wäre ein Geschenk gewesen einfach zu sterben, aber diese Güte gab uns leider niemand. 15 lange Jahre haben wir gebraucht, um endlich die Flucht ergreifen zu können und in unsere Heimatstadt zurückzukehren.“

Gern hätte Revea noch mehr erfahren. Wo sie gefangen gehalten wurden, was sie als Sklaven tun mussten, wer sie derart behandelt hat und vor allem wie ihnen die Flucht gelungen ist, aber das wäre zu aufdringlich gewesen und gehörte ohnehin nicht zu den Informationen, die sie sammeln sollte, war aber froh, dass ihr mehr erzählt wurde, als die bloßen Antworten zu ihrem vorher erstellten Fragenkatalog von Senator Meng-Lee. Und dieser war im Gegensatz zu anderen erstaunlich trocken: Außer-Haus-Zeiten von Senator Min und seiner Frau, sowie ihre Freizeitgestaltung und engere Kontakte der beiden herausfinden. Warum sie das tun sollte, wusste sie nicht, allerdings ging es meistens nicht gut für die Bespitzelten aus. Ob Meng-Lee nun an ihre Macht wollte, oder diese Senatoren seinen Plänen im Weg standen oder ihm persönlich etwas wollten weiß Ravea bis heute nicht, meistens ist ihr dies auch nicht so wichtig, aber bei diesem Paar würde sie wirklich gerne wissen, was Meng-Lee mit ihnen vor hat.

Oft ist es nicht leicht in das Haus eines Senators zu kommen, zumal sie jedes Mal einen anderen Namen braucht und ihre Narbe kaschieren muss, was ihr alles andere als lieb ist. Sie will schon gar nicht mehr mitzählen, wie viele gefälschte Pässe ihrer vielen Personen mittlerweile in der Schublade ihres Chefs liegen müssen. Manche verwendet sie mehrfach, manch andere werden vermutlich sofort wieder entsorgt. Diese Einweg-Ausweise sind oft ein Zeichen dafür, dass man am Ende nie wieder etwas von diesen bespitzelten Personen gehört hat. Ob ihr heutiger Ausweis wohl auch einer von diesen ist? Wenn ja, empfindet sie fast so etwas Mitgefühl für die Mins, auch wenn es wohl Großteils daran liegt, dass sie wohl nie die ganze Geschichte dieser Frau zu hören bekommt. Es ärgert sie fast, da sie sich auch noch einen so lächerlichen Deckberuf aussuchen musste, um in ihr Haus zu gelangen: Sie fand heraus, dass sich Frau Min immer nur zu Hause Haare schneiden ließ. Konnte Ravea Haare schneiden? Nein, nicht im Geringsten, aber Mei Katara macht seit 13 Jahren nichts anderes und ist von vielen in der Stadt empfohlen worden. Zumindest auf dem Papier und wenn es Mei Katara wirklich geben würde. Aber bis Frau Min über ihren furchtbaren Haarschnitt fluchen wird, ist Ravea bereits besagte 10 Häuserblocks und einige Höhenmeter von ihr entfernt. Zudem wird sie das Gefühl nicht los, dass die Frisur der Dame bald nicht mehr ihr größtes Problem sein wird.

Sie landet auf dem Hausdach eines 20 stöckigen, alten Gebäudes. In der Abenddämmerung ist in diesem Stadtteil kaum noch etwas los, das sonst so ereignisreiche Kiwo wirkt in diesem Licht fast friedlich. Dennoch blickt sie sich in alle Richtungen um, bevor sie die Tür öffnet, welche die Dachterrasse von dem Treppenhaus trennt. Sie geht immer oben in das Haus rein, so hat sie fast noch nie auch nur einen in diesem Gebäude wohnenden Menschen getroffen. Sie öffnet die Tür zu ihrer kleinen Wohnung, in welche gerade noch die letzten Sonnenstrahlen einfallen und wirft ihre Schuhe, welche sie heute tragen musste in die Ecke. Wie sie diese Dinger verabscheut. Sem, der heute den ganzen Tag auf sie warten musste, da sie wohl schlecht mit einem Falken ins Haus des Senators spazieren konnte, landet auf ihrer Schulter und es ist das erste Mal an diesem Tag, dass ihr ein kleines Lächeln über die Lippen huscht. Sie streichelt ihm über den Kopf und merkt, wie die Stimme von Frau Min langsam aus ihrem Kopf verschwindet. Stattdessen hört sie ihre eigene erklingen, während sie zu Sem zugewandt ist und ihn auf ihrer Schulter beäugt: „Na, hast du mich vermisst?“

weiter in -------------------> Raveas Wohnung
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